Es ist schon faszinierend und ein ganz großer Coup von Google, dass der Konzern formerly known as fette Datenkrake nun der Samariter in Sachen Datenschutz ist, der uns alle vorm bösen Facebook rettet (zu lesen z.B. bei t3n). Wow. Natürlich ist es toll wie Google uns hilft uns besser vor unseren Freunden zu schützen. Dass wir dafür den letzten Rest unserer digitalen Seele an Google aufgeben – was soll’s.
Kurz zu den Fakten:
Google+ ist cool. Es hat eine coole Oberfläche, was mich besonders freut – User Experience still rules. Es vereint die besten Features aus Facebook und Twitter, und stellt damit eine Konkurrenz für beide dar.
Man kann Personen folgen ohne Freundschaftsanfrage wie bei Twitter. Folgen die mir dann auch, ist das sowas wie eine Freundschaft bei Facebook (oder Xing oder LinkedIn oder …). Das gegenseitige Folgen ergibt eine viel höhere Dynamik als das Freundschafts-Prinzip, weil es unkomplizierter ist und weil es auch einseitig funktioniert. Kein Wunder dass alle frühen Tester auf Google+ innerhalb kürzester Zeit massenhaft Freunde & Follower hatten. So verbindet Google+ den Netzwerk-Charakter von Facebook & Co. mit dem Infokanal-Feeling von Twitter. Davon wird nicht nur Sascha Lobo profitieren, der nach ein paar Tagen schon weit über 3000 Follower hatte, sondern auch andere seriöse Broadcaster.
Schön sind die Circles: Die Listen, bei Facebook & Twitter recht stiefmütterlich behandelt, sind bei Google+ rund und nennen sich Circles. Hier kann ich meine Kontakte einordnen und dadurch sowohl die Informationsflut in meinem Stream eindämmen als auch zielgenau Informationen verteilen.
Google+ ist damit die perfekte Verbindung eines sozialen Netzwerkes für „echte“ Freunde mit einem Infokanal für die ganzen anderen Typen (oder Firmen) die man im Internet oder sonstwo halt mal trifft und interessant findet. Und das Ganze ist über die Circles sehr gut steuerbar. In dieser Hinsicht hat es Google+ geschafft, an Tag 1 Facebook und Twitter einfach mal abzusägen. Wer jetzt schon seine Freundesliste von Facebook zu Google+ umziehen will, findet übrigens bei t3n eine passende Anleitung dazu.
Klar fehlen jetzt noch Features, wie Unternehmens-Profile, eine API, und natürlich Werbung. Keine Angst, das wird alles kommen. Ist ja noch Beta. Eine schöne Zusammenfassung einiger Stimmen aus der Social Media Szene hat übrigens – Überraschung – der Focus.
So weit, so gut. Aber?
Aber – es gibt immer ein Aber, in dem Fall sogar ein großes. Bevor Facebook kam, haben wir uns da nicht alle über die Allmacht von Google beschwert? Google ist halt nicht nur Dein soziales Netzwerk, sondern nebenbei auch noch Deine Suchmaschine, Dein Navigationssystem, Dein Handy-Betriebssystem, Dein Browser, Deine Video-Plattform, Dein Mail-Client, Dein Newsreader, Deine persönliche Startseite, Dein Übersetzer, bald auch Deine Flug-Buchungsmaschine und so weiter. Wer war nochmal Facebook?
Sowohl die Macht als auch das Wissen von Google sind schon heute beängstigend. Um im Gegensatz zu Facebook, Twitter und allen anderen verdient Google Geld. Verdammt viel Geld. Und mit Adsense und Adwords hat Google eine perfekt entwickelte Gelddruckmaschine für Google+ im Keller stehen. Bleibt uns Nutzern, uns Unternehmen und uns Regierungen da noch was anderes übrig als zu beten dass Google sich bitte bitte an seinen eigenen Slogan „Don’t be evil“ hält?
Und nun?
Schön, dass es Google+ jetzt gibt. Im dritten Anlauf (nach Wave und Buzz) hat Google es richtig gut gemacht. Facebook ist nun unter Zugzwang, besser zu werden. Hoffentlich schafft der junge Zuckerschlecker das – es wäre aus meiner Sicht katastrophal wenn Google auch als soziales Netzwerk schnell den Markt beherrscht. Nur mal so als Gedankenspiel: Was, wenn Facebook in drei Jahre wirklich verschwinden würde? Dann Gnade uns Google. Oder gibt’s noch einen weiter oben?
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